Entschädigungen bei Flugverspätungen

Themenreisen sind meist lange im Voraus geplant und die Urlaubstage durchorganisiert. Verspätungen und außerplanmäßige Änderungen bei der Anreise sind daher besonders ärgerlich.

Wer in seinem Urlaub möglichst viele Erlebnisse unterbringen und Eindrücke aufnehmen will, bucht gerne organisierte Themenreisen. Einzig die An- und Abreise ist dabei selbst zu buchen und wer nur wenige Tage verfügbar hat, plant das meist mit wenig Pufferzeit und ohne zusätzliche Aufenthaltstage. Gerade im Sommer, der Hauptreisezeit, kommt es dann oft zu extremen Wettersituationen oder gar zu Streiks beim Flugpersonal und das bringt den gesamten Flugplan durcheinander.

Zum einen planen Airlines ihre Flüge mit möglichst geringem Zeitbudget, um trotz der derzeit herrschenden Billigpreise noch irgendwie in den schwarzen Zahlen zu fliegen. Zum anderen planen die Flughäfen – insbesondere die großen Drehkreuze – ihre verfügbaren Zeitfenster für Starts und Landungen an der Maximalauslastung. Beide Faktoren orientieren sich am Optimalfall, nur ist dieser immer öfter die Ausnahme.

Seit etwa 15 Jahren regelt die Verordnung 261/2004, kurz EU-Fluggastrechteverordnung, die Ansprüche von Passagieren die nicht pünktlich am Zielort ankommen. Bis zu einer Ankunftsverspätung von zwei Stunden erachtet der Gesetzgeber dabei eine Zumutbarkeit. Alles darüber verpflichtet die Fluggesellschaften zu einer Entschädigung. Daneben muss überdies entweder innerhalb der EU inklusive Schweiz, Island und Norwegen gestartet oder gelandet werden und das durchführende Luftfahrtunternehmen muss seinen Sitz im Unionsgebiet haben. Als Sitz gilt ebenfalls eine Zweigniederlassung.

Bei den innereuropäischen Kurzstreckenflügen bis zu 1500 Kilometern Distanz beträgt die Entschädigung 250 Euro. Sie erhöht sich bei Mittel- und Langstrecken auf 400 Euro bzw. 600 Euro wobei hier die Verspätung am Zielort mindestens drei bzw. vier Stunden betragen muss.

Befreit ist die Fluglinie nur dann von der Zahlung, wenn ein außergewöhnlicher Umstand vorliegt. Nachdem es sich bei der EU-Fluggastrechteverordnung um Konsumentenschutz handelt, wird der Tatbestand besonders streng ausgelegt und der EuGH entscheidet hier meist zugunsten der Verbraucher. Weil aber die Entschädigungszahlungen einen großen finanziellen Aufwand darstellen, werden Aufforderungen von den Fluglinien in den allermeisten Fällen mit der Behauptung eines außergewöhnlichen Umstandes abgelehnt.

Viele Kunden sind dadurch verunsichert; sehen sie sich dabei schließlich mit den Rechtsabteilungen konfrontiert. Neben des großen zeitlichen Aufwandes kommt unter Umständen ein finanzielles Risiko hinzu, wenn der Anspruch nur gerichtlich durchzusetzen ist. Fluggastportale wie etwa AirHelp übernehmen dabei sowohl den Schriftverkehr als auch im Ernstfall die Gerichtskosten.

Was gilt nun als außergewöhnlicher Umstand

Außergewöhnlich ist ein Umstand nach ständiger Rechtsprechung nur dann, wenn es fern von jedem Zusammenhang mit dem Betrieb einer Fluglinie ist und die Verspätung auch dann zustande gekommen wäre, wenn die Fluggesellschaft alles in ihrer Macht stehende zur Abwendung getan hätte. Extreme Wettersituationen zählen dabei ebenso dazu wie Stromausfälle bei der Passagierabfertigung am Flughafen oder ausgelaufener Treibstoff auf dem Rollfeld und eine damit verbundene Sperre.

Mittlerweile vertritt der EuGH die Meinung, dass Streiks durchaus zum normalen Betrieb und somit in den Einflussbereich einer Airline fällt. Gleiches gilt für Reparaturen am Flugzeug selbst.

Bei einem wesentlich verspäteten Flug steht eine Entschädigung also meistens zu.