Architektur des Barocks

Die Architektur des Barocks zeichnete sich durch Prachtbauten aus. Prunkvolle Paläste, Kirchen und Schlösser mit großzügigen Parkanlagen repräsentierten den feudalen Lebensstil von Fürsten und Klerus.

Palais du Luxembourg, Paris - Barocke Architektur
Architektur des Barocks: Palais du Luxembourg, Paris
© Brigitte Loosen

Merkmale der architektonischen Stilrichtung "Barock" und Beispiele von Bauwerken:

Zeitraum

Ausgehend von Italien in der Frühen Neuzeit (15. – 18. Jahrhundert) folgte die Epoche des Barocks nach der Renaissance und wurde durch den Bau- und Kunststil des Rokoko abgelöst.

Italien 1570 – 1770
17. + 18. Jahrhundert
Frühbarock 1570 – 1630
(Seicento)
Hochbarock 1630 – 1720
(Seicento)
Spätbarock 1720 – 1770
 
Frankreich 1610 – 1770
17. + 18. Jahrhundert
Frühbarock 1610 – 1643
(Louis-treize)
Hochbarock 1643 – 1715
(Louis-quartorze)
Spätbarock 1720 – 1770
 
Mittel-Nordeuropa 1650 – 1750
17. + 18. Jahrhundert

Merkmale des Barocks

Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert entstanden Barockbauten nach einer symmetrischen Bauweise mit geschwungenen Formen im Grundriss. Die großzügig gestalteten Gebäude dienten vorrangig als monumentale Repräsentationsbauten der Adelsfamilien und der katholischen Kirche.

Innenräume erhielten üppige Verzierungen oft aus kostbaren Materialien wie Marmor und Goldauflagen. Mit Kartuschen - flächigen Dekorationsrahmen - und filigranen Stuckarbeiten wurden Wände, Fassaden und Decken ausgestattet. Prunkvolle Spiegelsäle sollten die Raumwirkung erweitern.

Schlösser mit weitläufigen Parkanlagen bildeten prächtige Gesamtkunstwerke. Die in streng geometrischen Formen angelegten Barockgärten sind durch großzügige Rasenflächen, üppige Blumenbeete und feingeschnittenen Hecken gegliedert und mit Wasserspielen ausgestattet.

Barockkirchen erhielten meist konkav und konvex geschwungene Fassaden mit einem zentralen Kuppelbau. Der Lichteinfall in Kirchen war für die barocken Architekten ein wichtiges Gestaltungselement. Effekte aus Licht und Schatten sollten den Kirchenbesuch zu einem eindrucksvollen Erlebnis machen.

Bauteile und Gestaltungselemente

  • Konkav-konvex geschwungene Bauelemente
  • Kolossalordnung (über zwei Geschosse verlaufende Säulen oder Pilaster)
  • Doppelsäulen
  • Pilaster (Säulen ohne statische Funktion zur optischen Gliederung von Wänden und Fassaden)
  • Kuppeln
  • Gesprengter Giebel (in der Mitte geöffneter Giebel zur Gestaltung von Fassaden)
  • Kolonnaden (Säulengang mit geradem Gebälk)
  • Kartusche (schmückendes Gestaltungselement)
  • Volute (schmückendes schneckenförmiges Gestaltungselement)
  • Skulpturen, Stuckarbeiten, Fresken
  • Geschwungene, große Treppen im Außenbereich
Volute an der Kirche Santa Maria della Salute, Venedig - Barock Architektur
Volute an der Kirche Santa Maria della Salute, Venedig
© Brigitte Loosen
Kuppel des Invalidendoms, Paris - Barock Architektur
Kuppel des Invalidendoms, Paris
© Brigitte Loosen

Anwendung des Baustils

  • Sakralbauten
  • Profanbauten: Schlösser, Paläste

Bauform der barocken Kirchen

  • Verschmelzung von Langbau und zentralem Kuppelbau

Berühmte Bauwerke und Architekten des Barocks

Italien

  • Kirche Santa Maria della Salute, Venedig
    Architekt: Baldassare Longhona
    Baubeginn: 1630
  • Kirche Sant’Agnese in Agone, Rom
    Architekt: Girolamo Rainaldi
    Baubeginn: 1652
  • Petersplatz, Rom
    Architekt: Gian Lorenzo Bernini
    Baubeginn: 1656

Frankreich

  • Kirche Saint-Sulpice, Paris
    Baubeginn: 1660
  • Schloss Versailles, Versailles
    Architekt: Louis Le Vau
    Baubeginn: 1661
  • Invalidendom, Paris
    Architekt: Jules Hardouin-Mansart
    Baubeginn: 1679

Europa

  • Zwinger, Dresden
    Baubeginn: 1709
  • Karlskirche, Wien
    Baubeginn: 1716
  • Neues Palais, Potsdam
    Baubeginn: 1763
Kirche Santa Maria della Salute, Venedig - Barock Architektur
Kirche Santa Maria della Salute, Venedig
© Brigitte Loosen
Turm mit Säulen korinthischer Ordnung, Kirche Saint Sulpice, Paris - Barock Architektur
Turm mit Säulen korinthischer Ordnung, Kirche Saint Sulpice, Paris
© Brigitte Loosen
Konkav geschwungene Fassade, gegliedert durch Pilaster, Kirche St. Peter, Wien - Barock Architektur
Konkav geschwungene Fassade, gegliedert durch Pilaster, Kirche St. Peter, Wien
© Brigitte Loosen

Sizilianischer Barock - Üppig und verspielt

Eine besondere Form des barocken Baustils ist der sizilianische Barock. Auf Sizilien entwickelte sich zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert eine markante Ausführung des Barockstils. Aufgrund des verheerenden Erdbebens im Januar 1693 im südöstlichen Teil der Insel, ergab sich in vielen Orten der Wiederaufbau und die Neugestaltung im barocken Baustil.

Charakteristisch für den sizilianischen Barock sind konkav-konvex geschwungenen Fassaden, die von den römischen Baumeistern übernommen wurden, üppige Dekorationen mit prachtvollen Putten und grinsenden Masken, Balkone mit schmiedeeisernen Geländern und die Verwendung des schwarzen Lavagesteins.

Vor allem die Stadt Catania an der Ostküste Siziliens erhielt durch den Architekten Giovanni Battista Vaccarini ein barockes Aussehen.
Außenfassade Cattedrale di Sant’Agata, Catania - Barock Architektur
Sizilianischer Barock, Außenfassade des Doms, Catania - Sizilien
© Brigitte Loosen